Ludwig Hirsch – Der letzte Weg…

Written by Bettina Samson. Posted in Alle, CSM Branchen News

Heute findet auf dem Wiener Zentralfriedhof die Beisetzung der am 24. November 2011 plötzlich verstorbenen Austro-Pop-Legende Ludwig Hirsch statt. Nach Angaben des Managements sollen die Trauerfeierlichkeiten im engsten Familienkreis statt finden. Zwischen 09.00 und 14.00 Uhr soll sich auch die Öffentlichkeit von einem der bedeutendsten heimischen Künstlern verabschieden können. Der Leichnam wird in der Halle 2 für den letzten Abschied aufgebahrt werden und ab 14.00 Uhr werden die Trauergäste geladen. Wie die Wiener Bestattung mitteilte, wird der Nachruf von vielen VertreterInnen aus Kunst und Kultur gehalten. Außerdem sollen auch Lieder des Künstlers gespielt werden. Die Beisetzung der Urne wird dann im engsten Familienkreis auf dem Friedhof Gersthof statt finden. Auch die heimische Kulturszene zeigte sich bestürzt über das plötzliche Ableben eines Ausnahmekünstlers: ‚Er begeisterte durch sein Anderssein in einem Umfeld, das hauptsächlich Glück und Erfolg in den Mittelpunkt stellte. Er entlarvte diese Welt als Scheinwelt und trotzte allen Anpassungsbestrebungen. Sein Erfolg war die Darstellung der Kehrseite der Leichtigkeit des Seins, seine Popularität war in der Authentizität dieser Kunst begründet. Mit seinen Liedern den Zustand unserer Gesellschaft mit poetischen Texten beschrieben, dunkelgrau mit sehr erhellenden Momenten. Sein tragischer Tod beraubt Österreich einer wichtigen Stimme der Gegenkultur. Wir werden ihn als Schauspieler, Liedermacher, Erzähler und als Mensch, dem man gerne zuhörte, vermissen’, so SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied. Auch Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Wiener Grünen zeigte sich tief erschüttert: ‚Das sind dunkelgraue Tage für Wien. Ich verneige mich tief vor diesem Jahrhundertkünstler, der in seinen Texten und seiner gesamten Ausdruckskraft kein Tabu scheute und damit umso unmittelbarer und mit unnachahmlicher Poesie die großen Themen des Lebens berührte. Er hat schon in seinen Liedern nie die Auseinandersetzung mit dem Tod gescheut und sich ihm nun gestellt. Unsere Anteilnahme gilt allen, die ihm nahestehen durften.’ Seine Künstlerkollegen zeigten sich ebenfalls tief schockiert. Für Marianne Mendt ‚ist wieder ein ganz Großer gegangen’ und Reinhard Fendrich hat Hirsch ‚als exzellenten Schauspieler und als introvertierten, sehr feinsinnigen Künstler’ hoch geschätzt. Auf geht´s, großer, schwarzer Vogel, auf geht´s! Baba, ihr meine Lieben daheim! Du, mein Mädel, und du, Mama, baba! Bitte vergesst´s mich nicht! Auf geht´s, mitten in` Himmel rein, nicht traurig sein, na, na, na, ist kein Grund zum traurig sein! Ich werd´ singen, ich werd` lachen, ich werd’ ‚das gibt´s net’ schrei´n. Ich werd` endlich kapieren, ich werd` glücklich sein! Ich werd` singen, ich werd` lachen, ich werd` endlich glücklich sein! Auf geht´s, großer, schwarzer Vogel, auf geht´s! Ludwig Hirsch ist vor zwei Wochen im Alter von 65 Jahren verstorben. Nach Angaben der Polizei dürfte es sich um Selbstmord gehandelt haben, da er unter einem Fenster des Wiener Wilhelminenspitals gefunden wurde. Hirsch befand sich hier in Behandlung, da bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert wurde. Der gebürtige Steirer wurde am 28. Februar im Bezirk Hartberg geboren und wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf. Nachdem er sich einige Jahre am Theater an der Josefstadt übte wandte er sich 1978 endgültig der Musik zu und wurde zu einem der größten und bedeutendsten heimischen Künstler. Der ‚dunkle Chansonnier’ wie er oft bezeichnet wurde hatte eine einzigartige poetische Sprache die seinen makaber-morbiden Texten eine unverkennbare Note verliehen. Seinen größten Hit feierte er 1983 mit der Single ‚Gel´, du magst mi’, denn der Song hielt sich ein gutes Jahr in der heimischen Hitparade und positionierte sich auch aus Platz eins. Für ‚Perlen’ wurde er außerdem mit dem Amadeus Austrian Music Award geehrt. Ludwig Hirsch´s musikalische Laufbahn war unter anderem auch von einigen Compilations geprägt: im Jahr 1997 erschien das Album ‚Größte Hits aus 20 Jahren’, ‚Dunkelgrau’ folgte zwei Jahre später und 2004 präsentierte er mit ‚Ausgewählte Lieder’ eine Werkschau. Hirsch selber betonte einmal in einem Interview, dass er über sein Schaffen ‚immer wieder positiv überrascht sei’ und es uralte Lieder gibt, in die er noch immer verliebt sei. Immer wieder wurden die Erfolge des Ausnahmekünstlers mit verschiedenen Auszeichnungen bestätigt. So wurde ihm erst im Juni diesen Jahres der ‚Goldene Rathausmann’ verliehen. Außerdem erhielt er für seine Alben ‚Perlen’ (2002), ‚In meiner Sprache’ (1991) und ‚Sternderl Schaun’ (1991) die goldene Schallplatte. Sein letztes Album ‚In Ewigkeit Damen’ veröffentlichte Hirsch 2006 und 2009 folgte das Hörbuch ‚Weihnachtsgeschichten’. Hirsch sagte über seine letzte Veröffentlichung gegenüber der APA, dass es sich hier um ‚ein bisschen was Skurrile, Zärtliches und Verträumtes’ handelt. Tief erschüttert von der Nachricht über den Tod Ludwig Hirsch´s zeigte sich auch sein Manager Karl Scheibmaier: ‚Es ist jemand von uns gegangen, der für mich einer der größten Künstler der vergangenen 70 Jahr war. Ludwig Hirsch hat Sachen niedergeschrieben, die niemand sonst gemacht hat – er hat an den Wänden gekratzt, um dahinter zu schauen, was los ist’. Erst im letztes Jahr verkündete Hirsch, das er noch im Herbst 2011 an einem neuen Album zu arbeiten beginnen wolle: ‚Träumen, staunen, lächeln, bissl Gänsehaut immer wieder, und das Zwicken in die Wadln. Das hab ich immer gern gemacht, die Leute einzulullen, dass sie sich wohlfühlen und zum Schluss ein bissl zwicken’. Bild: © by www.ludwighirsch.at

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