Georg Danzer: die AustroPop-Legende

Written by Bettina Samson. Posted in Alle, CSM Branchen News

Georg Danzer wäre heute am 07. Oktober 65 Jahre alt geworden. Um einen der größten österreichischen Protagonisten gebührend zu ehren, werden heute 27 Studioalben digital remastert und neu veröffentlicht. Einige der Neuveröffentlichungen sind bereits seit mehreren Jahren nicht mehr im Handel erhältlich gewesen. Außerdem wird eine Best-Of-Kollektion ‚Wann i so z´ruckschau – die ultimative Liedersammlung’ im Handel erscheinen. Diese Kollektion wird einen umfangreichen Querschnitt durch Danzers Lebenswerk mit 62 Songs auf drei CDs beinhalten.

Danzer gilt als einer der besten und vor allem nachhaltig wichtigsten österreichischen Sänger und Songschreiber, der vor vier Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Er wurde am 07. Oktober 1946 in Wien als Sohn eines Beamten und einer Angestellten geboren. Danzer wusste bereits in frühen Kindesjahren, dass er sein Leben der Musik widmen möchte. Nach Drängen der Eltern, inskribierte er dennoch an der Universität für Philosophie und Psychologie, ohne jeden Erfolg – denn der Schurli trieb sich lieber in Parks und Cafés um, anstatt im Hörsaal. Nach längeren Aufenthalten im Ausland widmet sich Danzer 1967 ernsthaft der Musik und beginnt seine ersten ‚Lieder zu schreiben, teilweise irrsinnig verkopfte Sachen – und das machte er letzten Endes bis heute’. Bereits im Herbst 1968 wird seine erste Single ‚Vera’ veröffentlicht. Daraufhin folgen einige Rundfunksendungen, bis sein Plattenvertrag platzt und Danzer wieder von vorne beginnen muss.

Eva-Maria Kaiser entdeckt jedoch sofort sein Talent und Danzer erhält die Chance für fast jeden Sänger, Sängerin und Band, die in Wien tätig sind Texte zu schreiben – unter anderem für Wolfgang Ambros, Marianne Mendt, Erika Pluhar, Margot Werner und Wilfried. Im Jahr 1972 erscheint dann seine selbst gesungene Single ‚Tschik’ die für großes Aufsehen in Österreich sorgt. Man fragt sich ‚Wer ist die Sandlerstimme auf dieser Platte?’, Peter Barwitz, damaliger Ö3-Musikredakteur findet anhand einer Stimmanalyse heraus, dass es sich hier um Danzer handelt. Nach dem die LP ‚Der Tschik’ erscheint, erreicht sie auch in Deutschland Kultstatus. Im Jahr 1975 entdeckte ihn der Musikproduzent Gerd Kämpfe und das erste Projekt der gemeinsamen Zusammenarbeit war die Single über den heute legendären ‚Nackerten im Havelka’ – ‚Jö Schau’. Nach seinem sensationellen Erfolg wird Danzer auch von der englischen Fachzeitschrift ‚Music Week’ für seine Verdienste um die österreichische Popmusik zum ‚Star Of The Year’ gekürt. Zu dieser Zeit verspürt Danzer den immer stärker werdenden Drang nach Deutschland zu ziehen, um zu zeigen, dass er dem AustroPop nicht mehr zur Verfügung steht. In Berlin produziert er die LP ‚Unter die Haut’ mit der legendären Danzer-Band (Eberhard ‚Bär’ Wieland, Michael Gechter, Earl Bostic, Frank Lüdeke und Olav Gustafson). Nach der Veröffentlichung von ‚War das etwa Haschisch?’boykottierten viele Rundfunkanstalten das Lied – dennoch gab es einige gute Kritiken.

Anfang der 1980er Jahre nehmen auch erstmals die Österreicher Notiz vom ‚neuen Danzer’ und mit ‚Ruhe vor dem Sturm’ erfährt er dann auch endlich die gebührende Anerkennung als ernstzunehmender Liedermacher. Im Sommer 1984 trennt sich Danzer nach langjähriger Zusammenarbeit von seiner Band und geht mit neuen Musikern ins Studio um einen weiteren großen Hit zu produzieren – ‚Weisse Pferde’. Danach folgt eine schwierige Zeit für Danzer, bei einem Motorradunfall während der Dreharbeiten zu seinem neuen Song, verletzt sich Danzer lebensgefährlich und muss mit der Flugambulanz von Malaga nach Wien transportiert werden. Nach seiner Genesung wartet bereits der nächste Schicksalsschlag auf ihn: zu erst Scheidung von seiner Frau und danach die Finanz-Affäre rund um seinen Steuerberater. Es wird Zeit für eine Veränderung und Georg verbringt die meiste Zeit des Jahres in Spanien – lange Zeit pendelt er zwischen Wien, Hamburg und Spanien.

Anfang der 1990er verschlägt es Danzer wieder nach Wien und es folgt zu gleich sein neues Projekt ‚Wieder in Wien’, zusammen produziert mit Franz Christian ‚Blacky’ Schwarz und Jack Fronczek, sowie Peter Cornelius, Marianne Mendt und Wilfried. Das Album zeigt deutlich, dass es den ‚Schurli’ wieder zurück in seine Heimat zieht… ‚Sei immer höflich!’ entsteht und wird Tag und Nacht von den Radiostationen auf und ab gespielt. Im Jahr 1992 heiratet Danzer erneut und sein drittes Kind Jonas kommt auf die Welt. Ein Jahr später wird Georg Danzer, nach Paul McCartney, als zweiter ‚Singer/Songwriter’ das ‚Goldene Ohr’ verliehen und kurz darauf wird sein letztes Kind, Sohn Jakob geboren. Im November 1994 zieht Danzer mit der gesamten Familie dann endlich wieder nach Österreich. Im Jahr 1997 entsteht dann die erfolgreiche Formation ‚Austria 3’ mit Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich. Mit einem Publikum von 200.000 Besuchern wird ‚Austria 3’ zum erfolgreichsten Trio der österreichischen Popgeschichte.

Nach dem sein letztes Album ‚Träumer’ im September 2006 erschienen ist, erfährt Danzer von seiner Lungenkrebserkrankung. Nach vielen Chemotherapien glaubte man im April des Folgejahres, dass sich Danzer wieder am Weg der Besserung befindet. Es folgt das nachgeholte Jubiläumskonzert ‚Georg Danzer & Freunde’ in der Wiener Stadthalle. Viele Besucher sprechen nach dem Konzert darüber, dass ‚es war, als hätte er Abschied genommen’. ’Ich hab´ keine Angst vor dem Sterben. Die Alternative wäre ewig zu leben. Eine ganz furchtbare Vorstellung’, so Danzer in einem Interview Ende April. Mitte Mai erhielt Danzer noch den Amadeus für sein Lebenswerk, allerdings konnte er den nicht mehr persönlich entgegen nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass es dem Künstler zunehmend schlechter ging.

Viele Kollegen trauerten nicht nur um einen wichtigen Teil der Austropopgeschichte, sondern vor allem um einen Freund. Sein jahrelanger Weggefährte Joesi Prokopetz bezeichnet Danzer als ‚schnörkellosen Poet’, der ‚post mortem keine große Show abziehen wollte. Das passt zu ihm, das ist Georg’. Mit den Medien und deren Umgang mit Danzers Tod geht Prokopetz jedoch kritisch umher: ‚Ich finde es wunderbar, dass die meisten Medien seinen letzten Wunsch erfüllt haben. Dass auf Ö3 seit Stunden Sondersendungen laufen, ist allerdings ein wenig makaber, da sie ihn in den vergangenen 15 Jahren ignoriert haben. Aber schließlich zählt auch der gute Wille’.

Ich finde, dass ich die Aufgabe, die man mir gestellt hat, gut erledigt habe. Unter dem strich habe ich das Beste aus dem bisschen Talent und den Anlagen, die ich mitbrachte, gemacht’.
Georg Danzer über sein (Musiker-) Leben.

Bild: © by austria.com

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